Highspeed für die Heimat
Heimat sollte man niemanden überlassen Wehe, wenn etwas politisiert wird

Highspeed für die Heimat

In der sog. sensiblen Phase werden Reize der Umwelt derart dauerhaft ins Verhaltensrepertoir aufgenommen, dass sie später wie angeboren erscheinen (Prägung). Diese sensible Phase kann sehr kurz sein, kann sich aber auch über einen längeren Zeitraum erstrecken. Diese Prägung nennt man in der Verhaltensbiologie eine irreversible Form des Lernens. Dieses Lernen vollzieht sich unbewußt. Alles was während der sensiblen Phase einwirkt, hinterlässt Spuren – wir sehen, hören, riechen, tasten, schmecken, werden erzogen (oder verzogen) und die daraus haften bleibenden Eindrücke prägen uns. So entsteht Heimat. Wird während der sensiblen Phase häufig das Milieu gewechselt, führt dies nicht zu mehreren Heimaten, sondern zu Heimatlosigkeit. Niemand hat Heimaten, auch wenn dies behauptet wird. Ein neues Zuhause ist möglich, eine neue Heimat nicht.
Weil Heimat aus Prägung entsteht, ist sie in uns so stark verankert, aber auch von uns nicht definierbar, weil diese Prägung unbewußt erfolgt. Heimat ist somit ein Begriff, mit dem sich bestens Politik machen lässt, da er stark emotional wirkt.

Nach der bisher gültigen Lesart ist Heimat wegen der Vereinnahmung des Heimatbegriffs durch die politische Rechte böse, reaktionär, ausgrenzend, rassistisch etc.. Allerdings änderte sich dies nach der letzten Bundestagswahl und die „Die Grünen“ (und hier) und die „SPD“ entdeckten auf einmal die Heimat. Sogar ministeriell wird Heimat verankert (was Heiko Maas von der SPD auf den Plan ruft, weil er anscheinend dem designierten Heimatminister und möglichen Koalitionspartner Seehofer nicht traut). Heimat ist also auf einmal wieder gut, ja so gut, das wir sie nicht den Rechten überlassen dürfen. Aber dürfen wir Heimat überhaupt jemanden überlassen? Ich will meine Heimat niemanden überlassen, egal welcher Couleur.

Es gibt Menschen, die meinen, sie seien Weltbürger, sie könnten mit Heimat nichts anfangen, ja sie hätten keine Heimat, sind also heimatlos. Dies kann im Sinne der obigen Ausführungen durchaus sein. Wer allerdings aus politischen Gründen meint, er hätte keine Heimat, der täuscht sich selbst und ist diesbezüglich ein Fall für den Psychologen.

Ich habe eine Heimat, und wenn ich auch inzwischen ein neues Zuhause habe, so erinnere ich mich gerne an meine Heimat. Mit zunehmendem Alter entdecke ich immer mehr Heimat in mir; ein schönes Gefühl!

Links zu Heimat und Fotografie

#fotoespresso 1/2018 ist erschienen; hier geht es zum >>> Download.

Inhalt dieser Ausgabe

  • Warum so viel Lightroom und Photoshop im fotoespresso?
  • Platypod – das vielseitige ›Notstativ‹
  • Fotograf im Fokus: Martin Hülle
  • Bildverwaltung auf dem iPad: Workflow, All-in-One und iOS-Kettenglieder
  • C7 Galerie – Ausstellung von Thommy Mardo und ›Projektraum Fotografie‹
  • Fotografieren mit einem Car Camera Rig
  • Untitled Film Stills – Selbstporträts im Stile Cindy Shermans
  • Lichtspektrum, Farbtemperatur, CRI und Ra
  • Methoden des Weißabgleichs
  • Rub al-Khali: Unterwegs in der Dünenwelt des ›Leeren Viertels‹
  • Interessante Webseiten
  • Lesestoff

#Heimat
Und hier gibt es etwas zu Heimat; bald gibt es ja auch ein Heimatministerium:
Von einem unheimlichen und sehnsüchtigen Gefühl: Heimat

Individualismus und Einsamkeit Oder ist Gemeinschaft doch besser?

Großbritannien hat jetzt ein Ministerium für Einsamkeit – besser wäre ein Ministerium gegen Einsamkeit oder noch besser, es würde nicht benötigt. Das Ministerium wird nicht etwa geschaffen, um den einsamen Menschen aus altruistischen Gründen zu helfen, sondern: „Einsamkeit ist so gesundheitsschädigend wie das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag“. Es geht um Gesundheitskosten. Würden die einsamen Menschen nur einsam sein, aber ansonsten problemlos funktionieren, würde sich niemand um sie sorgen. „Lebe dein Leben“, „Du bist Einzigartig“, „sei du selbst“, „schliesse keine Kompromisse“ und unterschwellig „sei einsam“. „Ich parshippe jetzt“ lautet der Slogan der Vereinsamten; die damit keinen Erfolg haben, können sich selbst heiraten. Noch besser wäre eine Persönlichkeitsspaltung, denn dann ist man nie allein.

Ganz Verwegene sollen es mit Gemeinschaft probiert haben, haben Familie, Freunde. Sie nehmen die damit verbundenen Nachteile: Sich auch mal nach anderen richten; die ziellose Reise zur Selbstverwirklichung abbrechen; Kompromisse schliessen … in Kauf. Der Mensch ist ein Herdentier, auch wenn dies nicht gern gehört wird. Daran muss ich immer dann denken, wenn mir mal wieder Herden von Individualisten begegnen.

Ergänzung am 28.01.2018:

Kehren die Stämme tatsächlich wieder?
Die Globalisten irren: Nicht das Stammesdenken, sondern die Vereinsamung fördert den neuen Autoritarismus. Ein paar Anmerkungen zu einem neuerdings geführten Diskurs.

Das Echte

Oft lese ich in Begleittexten zu Fotostrecken über andere Länder, das der Fotograf „das echte/das wahre XXXX, abseits der Touristenpfade“ fotografieren/zeigen will. Zu Fotostrecken über sein Heimatland wird so etwas so gut wie nie geschrieben. Bedeutet dies, das wir meinen, von unserem Heimatland immer das Echte/das Wahre zu fotografieren, setzen wir das einfach voraus? Oder ist uns dies „zu Hause“ nicht wichtig?
Warum schreibt ein Fotograf, der in Hamburg wohnt und Fotos von München macht nicht, „ich wollte das echte/das wahre München, abseits der Touristenpfade fotografieren“? In Texte zu Fotostrecken über Thailand, Schottland, Mexico etc. taucht dieser Passus aber fast immer auf.

Aus deutschen Landen Alles nicht so einfach

Gott und Deutschland

Neulich war ich mal wieder ein paar Tage unterwegs, in der Heimat und nahe der Heimat. Und da habe ich den Spruch an einem Haus gesehen. Das Haus ist so ca. 120 bis 140 Jahre alt. Damals wurden Häuser noch mit Jahreszahlen und/oder Sprüchen versehen. Das Haus steht auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, der Spruch hat diese Zeit erstaunlicherweise unbeschadet überstanden. Gäbe es diese Art der Häuserdekoration noch – was würden wir an heutigen Neubauten zu lesen bekommen? Ist der Spruch chauvinistisch, rassistisch, frauenfeindlich, … ?

In einem anderen Ort schmückt sich ein Haus mit dieser Tafel:

Goethe war hier

Auch diese Sitte (oder Unsitte?) gibt es nicht mehr – mangels entsprechender Geistesgrößen oder weil sich heute niemand damit schmücken will, das eine unserer gegenwärtigen Geistesgrößen in seinem Haus übernachtet hat?

Müsste diese Tafel nicht auch entfernt werden, denn Goethe hat durchaus auch Töne wie diese angeschlagen:
„Niemand bedenkt leicht, daß uns Vernunft und ein tapferes Wollen gegeben sind, damit wir uns nicht allein vom Bösen, sondern auch vom Übermaß des Guten zurückhalten.“
Vielleicht ereilt Goethe aber auch noch das gleiche Schicksal wie Luther und Bach, denen man Antisemitismus „nachgewiesen“ hat. Was wäre das für eine Schlagzeile im nächsten Goethejahr: „Deutscher Dichterfürst wird von brauner Vergangenheit eingeholt.“

Heimat ist wieder politisch korrekt Welcher Begriff ist als nächster dran?

Vor kurzem die SPD, nun die Grünen in Person von Frau Göhring-Eckardt und Herrn Habeck. Sie wollen den „Begriff Heimat nicht der AfD überlassen“ (Herr Habeck reklamiert auch schnell noch „Deutschland“ und „Patriotismus“ für die Grünen – war „Deutschland“ bisher politisch inkorrekt?).
Das liest sich so, als ob sich Kinder um ein Spielzeug balgen – sie (die Grünen) können zwar nichts damit anfangen, aber ehe es das andere Kind (die AfD) bekommt, reissen sie es an sich.
Ist nun „Heimat“ politisch korrekt oder immer noch rückwärts gewandt und reaktionär? Darf man ab sofort, ohne einen Shitstorm zu provozieren, z.B. schreiben: „Deutschland ist meine patriotische Heimat?“.
Mal sehen, was uns der Wahlausgang vom 24. September noch so beschert (mir kommt es so vor, als wäre die Wahl am Tag der Bescherung, dem 24. Dezember, gewesen). Bekommen die Grünen vielleicht in der Jamaika-Koalition das „Heimatschutzministerium“?

Da fällt mir noch diese Sentenz von Nicolás Gómez Dávila ein:
„Die Demokratie kennt keinen Unterschied zwischen Wahrheiten und Irrtümern; sie unterscheidet nur populäre Meinungen von unpopulären Meinungen.“

P.S.: Da fällt mir gerade ein – heute ist der 7. Oktober – Der Tag der Republik, auch Nationalfeiertag der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), war der Staatsfeiertag der DDR und wurde von 1950 bis 1989 am 7. Oktober begangen.

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