Wenn ‚am schönsten‘ zur Abwertung verkommt Es entwickelt sich alles weiter

Alles fließt, auch die Sprache, und so wird eine Sentenz wie „Am Schönsten ist es, wenn es Schön ist“ mit der Zeit zu einer negativen Aussage. Ich habe noch gelernt, dass die Steigerung von schön wie folgt geht: schön – schöner – am schönsten. Aber das ist vorbei, auch wenn der Duden dies nocht nicht berücksichtigt. Der Volksmund hat die Steigerungsformen inzwischen fortgeschrieben: schön – schöner – am schönsten – superschön – megaschön.
Wie wird es weiter gehen?

Wort des Monats Der Fortschritt geht weiter

Alles entwickelt sich, auch die Sprache. Ein neues Wort kam mir vor Augen und zu Ohren: unbeschulbar. Hört sich fast an, wie unbezahlbar. Na ja, Scherz beiseite. Aber die Unbeschulbaren sind anscheinend kein Einzelfall. Das Produkt der Bildungsreformen der vergangenen Jahrzehnte ist eine „zunehmende Zahl von Kindern mit erheblichen Verhaltensauffälligkeiten an der Grenze der Beschulbarkeit“. Statt Bildung, Bildungspolitik.
Interessant auch die Wortwahl: unbeschulbar klingt wie unbespielbar; mit einem unbespielbaren Platz kann man im Sport beim besten Willen nichts anfangen. Ein Mensch, der mit unbeschulbar klassifiziert wird, ist aufgegeben. Was wird aus ihm?

[Kaum ist das Wort medienweit im Einsatz, wird medienweit gefragt, was damit gemeint ist.]

Ergänzung 27.01.2018:
„Unbeschulbar“: Wo bleiben die wirksamen Konsequenzen?

Individualismus und Einsamkeit Oder ist Gemeinschaft doch besser?

Großbritannien hat jetzt ein Ministerium für Einsamkeit – besser wäre ein Ministerium gegen Einsamkeit oder noch besser, es würde nicht benötigt. Das Ministerium wird nicht etwa geschaffen, um den einsamen Menschen aus altruistischen Gründen zu helfen, sondern: „Einsamkeit ist so gesundheitsschädigend wie das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag“. Es geht um Gesundheitskosten. Würden die einsamen Menschen nur einsam sein, aber ansonsten problemlos funktionieren, würde sich niemand um sie sorgen. „Lebe dein Leben“, „Du bist Einzigartig“, „sei du selbst“, „schliesse keine Kompromisse“ und unterschwellig „sei einsam“. „Ich parshippe jetzt“ lautet der Slogan der Vereinsamten; die damit keinen Erfolg haben, können sich selbst heiraten. Noch besser wäre eine Persönlichkeitsspaltung, denn dann ist man nie allein.

Ganz Verwegene sollen es mit Gemeinschaft probiert haben, haben Familie, Freunde. Sie nehmen die damit verbundenen Nachteile: Sich auch mal nach anderen richten; die ziellose Reise zur Selbstverwirklichung abbrechen; Kompromisse schliessen … in Kauf. Der Mensch ist ein Herdentier, auch wenn dies nicht gern gehört wird. Daran muss ich immer dann denken, wenn mir mal wieder Herden von Individualisten begegnen.

Ergänzung am 28.01.2018:

Kehren die Stämme tatsächlich wieder?
Die Globalisten irren: Nicht das Stammesdenken, sondern die Vereinsamung fördert den neuen Autoritarismus. Ein paar Anmerkungen zu einem neuerdings geführten Diskurs.

Damals, in den 60igern gab es ihn noch Oder heißt er heute nur anders?

In älteren Romanen kommt er vor, in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war häufig die Rede vom „bescheidenen Wohlstand“. Schon damals war mir diese Kombination suspekt. Wann hatte man den Zustand „bescheidenen Wohlstands“ erreicht? Für mich klang das immer wie „nicht mehr ganz so arm“. Richtig gut ging es denen, die in „bescheidenen Wohlstand“ lebten anscheinend nicht. Es war wohl eher eine Beruhigungspille. Soweit ich mich erinnere, sprach nie jemand von „unbescheidenen Wohlstand“. Diese Kombination ist natürlich genauso erklärungsbedürftig, wie der „bescheidene Wohlstand“.

Von „bescheidenen Wohlstand“ lese ich heute eigentlich nur noch, wenn es um sog. Schwellenländer geht. Dort wird immer mal wieder davon gesprochen, das immer mehr Menschen einen „bescheidenen Wohlstand“ erreichen. In Deutschland scheinen wir dieses ökonomische Stadium bereits verlassen zu haben, denn ich habe sehr lange nicht gehört oder gelesen, das jemand in „bescheidenen Wohlstand“ lebt oder immer mehr Menschen dieses Stadium erreichen. Leben wir inzwischen im „unbescheidenen Wohlstand“ oder unterhalb des „bescheidenen Wohlstands“ oder ist vielleicht das Wort „bescheiden“ nicht mehr erwünscht? Oder ist „Wohlstand“ inzwischen ganz aus der Mode gekommen („aus der Mode gekommen“ ist ja auch „out“ oder sagt man besser „uncool“?)?
Niemand spricht von Wohlstand, aber Alle wollen sich Alles leisten können. Liest sich auch besser, passt besser zu „sich selbst verwirklichen“ als „ich lebe in Wohlstand“.

Mehr geht nicht Das war es

Der erste Autoerotiker hat sich selbst wegen sexueller Belästigung angezeigt. Er wollte es eigentlich nicht und schämt sich. Er hat die Entschuldigung angenommen. Damit das Ganze legalisiert wird, will er sich selbst heiraten.

Aus deutschen Landen Alles nicht so einfach

Gott und Deutschland

Neulich war ich mal wieder ein paar Tage unterwegs, in der Heimat und nahe der Heimat. Und da habe ich den Spruch an einem Haus gesehen. Das Haus ist so ca. 120 bis 140 Jahre alt. Damals wurden Häuser noch mit Jahreszahlen und/oder Sprüchen versehen. Das Haus steht auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, der Spruch hat diese Zeit erstaunlicherweise unbeschadet überstanden. Gäbe es diese Art der Häuserdekoration noch – was würden wir an heutigen Neubauten zu lesen bekommen? Ist der Spruch chauvinistisch, rassistisch, frauenfeindlich, … ?

In einem anderen Ort schmückt sich ein Haus mit dieser Tafel:

Goethe war hier

Auch diese Sitte (oder Unsitte?) gibt es nicht mehr – mangels entsprechender Geistesgrößen oder weil sich heute niemand damit schmücken will, das eine unserer gegenwärtigen Geistesgrößen in seinem Haus übernachtet hat?

Müsste diese Tafel nicht auch entfernt werden, denn Goethe hat durchaus auch Töne wie diese angeschlagen:
„Niemand bedenkt leicht, daß uns Vernunft und ein tapferes Wollen gegeben sind, damit wir uns nicht allein vom Bösen, sondern auch vom Übermaß des Guten zurückhalten.“
Vielleicht ereilt Goethe aber auch noch das gleiche Schicksal wie Luther und Bach, denen man Antisemitismus „nachgewiesen“ hat. Was wäre das für eine Schlagzeile im nächsten Goethejahr: „Deutscher Dichterfürst wird von brauner Vergangenheit eingeholt.“

Heimat ist wieder politisch korrekt Welcher Begriff ist als nächster dran?

Vor kurzem die SPD, nun die Grünen in Person von Frau Göhring-Eckardt und Herrn Habeck. Sie wollen den „Begriff Heimat nicht der AfD überlassen“ (Herr Habeck reklamiert auch schnell noch „Deutschland“ und „Patriotismus“ für die Grünen – war „Deutschland“ bisher politisch inkorrekt?).
Das liest sich so, als ob sich Kinder um ein Spielzeug balgen – sie (die Grünen) können zwar nichts damit anfangen, aber ehe es das andere Kind (die AfD) bekommt, reissen sie es an sich.
Ist nun „Heimat“ politisch korrekt oder immer noch rückwärts gewandt und reaktionär? Darf man ab sofort, ohne einen Shitstorm zu provozieren, z.B. schreiben: „Deutschland ist meine patriotische Heimat?“.
Mal sehen, was uns der Wahlausgang vom 24. September noch so beschert (mir kommt es so vor, als wäre die Wahl am Tag der Bescherung, dem 24. Dezember, gewesen). Bekommen die Grünen vielleicht in der Jamaika-Koalition das „Heimatschutzministerium“?

Da fällt mir noch diese Sentenz von Nicolás Gómez Dávila ein:
„Die Demokratie kennt keinen Unterschied zwischen Wahrheiten und Irrtümern; sie unterscheidet nur populäre Meinungen von unpopulären Meinungen.“

P.S.: Da fällt mir gerade ein – heute ist der 7. Oktober – Der Tag der Republik, auch Nationalfeiertag der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), war der Staatsfeiertag der DDR und wurde von 1950 bis 1989 am 7. Oktober begangen.

Moderne Heimatpartei Da sage einer, die Parteien seien nicht lernfähig

Heimat

Irgendwo habe ich mal gelesen, das nur die von und über Heimat reden, die ihre Heimat verloren haben. Da ist sicher was dran. ‚Heimat‘ ist ja wieder in, was sicher auch mit der eingangs zitierten Sentenz zu tun hat.
Während der vergangenen Jahrzehnte hat Heimat ja einen eher verstaubten, konservativen, ja reaktionären Beiklang zugesprochen bekommen. Wir globalisieren uns und da stört Heimat. Na ja; so einfach ist das Ganze anscheinend doch nicht und quasi über Nacht entdeckt die SPD die Heimat. Ein Schelm, wer das dem Wahlerfolg der AfD zuschreibt. NRW-SPD-Chef Michael Groschek gibt dem General-Anzeiger in Bonn ein Interview und sagt unter anderem: „Wir wollen eine moderne Heimatpartei werden.“ Und weiter, auf Nachfrage des General-Anzeiger:

Heimatpartei? Das klingt stärker nach CDU als nach SPD…

Groschek: Vielleicht noch stärker nach CSU. Ernsthaft: Heimat ist ein Stück weit aus der Mode gekommen. Dabei hat der Begriff nichts mit Heidi oder dem Förster vom Silberwald zu tun. Es geht um soziale Sicherheit und Geborgenheit. Die junge Generation geht mit Heimat ganz unbefangen um. Schauen Sie sich nur die Oktoberfest-Welle im Ruhrgebiet an. Das drückt Sehnsucht aus nach einem Ort des Wohlfühlens, an dem man sich gut aufgehoben und zu Hause fühlt.

Hätte er dies am Samstag vor der Wahl öffentlich gesagt, so wäre er wohl vor dem Willy-Brandt-Haus gesteinigt worden. Ich freue mich schon darauf, das Frau Nahles das erste Mal im Dirndl als Fraktionsvorsitzende auftritt!

Der Tag danach

Wahlraum

Manchmal sind Wahlen für einige Menschen die dunkle Seite der Demokratie. Aber auch hier gilt (leicht abgewandelt): „Demokratie ist kein Ponyhof.“

Die Bank Sprache - Ein Stück Leitkultur

Aus duden.de:

Bank, die

BEDEUTUNGSÜBERSICHT

  • Sitzgelegenheit aus Holz, Stein o. Ä., die mehreren Personen nebeneinander Platz bietet
  • (Sport) Auswechselbank
  • Kurzform für: verschiedene Handwerkstische wie Drehbank, Hobelbank, Werkbank u. a.
  • bankförmiges Turngerät
  • Kurzform für: Sandbank
  • Anhäufung von Meereslebewesen, die eine Erhöhung über dem Meeresgrund hervorruft
  • lange Wolken- oder Dunstschicht
  • (Geologie) vom umliegenden Gestein gesonderte, fest zusammenhängende Gesteinsschicht
  • unverändert beibehaltene Vorhersage auf Tippscheinen
  • (Sport) Ausgangsstellung auf dem Boden mit auf Knie und Arme gestütztem Körper
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