HF's Blicke

Photos // Texte

Notat #9


Im wesentlichen nehme ich nur die besonderen Tage war, soweit es sich um gesetzliche Feiertage handelt (abgesehen vom Frauentag und Muttertag). Was mir da aber entgeht, ist mir erst bewusst geworden, als ich auf den Worldwide Pinhole Photography Day gestossen bin (bis zum 31. Mai kann man sich noch daran beteiligen).

Ich war so fasziniert von diesem "Day", das ich mal wissen wollte, was sonst noch so an "Days" in der Welt unterwegs ist. Und ich bin überwältigt - die Liste der "International Days" der "United Nations" ist beeindruckend, aber wenn ich mir diese Liste anschaue, bin ich sprachlos! Für den 07. Mai 2017 listet dieser National Days Calendar folgende "Days" auf:

  • National Barrier Awareness Day
  • National Packaging Design Day
  • National Paste-Up Day
  • National Roast Leg of Lamb Day
  • National Infertility Survival Day – Sunday Before Mother’s Day
  • National Lemonade Day – First Sunday in May

Und so zieht sich das durch das ganze Jahr, Tag für Tag; wenn das alles gesetzliche Feiertage wären!
Was ich nicht gefunden habe: The International Day of the International and Nationel Days. Wahrscheinlich habe ich nicht gründlich genug gesucht.

Landschaft #3

"Am Land kommen die Götter noch zu den Menschen, […] man ist jemand und erlebt etwas, aber in der Stadt, wo es tausendmal so viel Erlebnisse gibt, ist man nicht mehr imstande, sie in Beziehung zu sich zu bringen: und so beginnt ja wohl das berüchtigte Abstraktwerden des Lebens." (Robert Musil)

Notat #8

"Wohnwagenbesitzer sind keine Nomaden, weil sie weder Büffeln noch Haushühnern nachgehen, sondern der 'reinen Erkenntnis'. Die Gesellschaftsform des Camping ist daher nicht der Stamm, sondern die einsame, zufällig zusammengewürfelte Masse. Wollte man die Lebensform des Nomaden als 'uranisch-patriarchalisch', und die des Bauern als 'chthonisch-matriarchalisch' bezeichnen, dann könnte man die Lebensform des Wohnwagenbesitzers als 'bodenlos-fratiarchalisch' bezeichnen, ohne sich darunter allerdings viel vorstellen zu können. Es ist nämlich fraglich, ob Schiller ein Camping meinte, als er sagte, daß alle Menschen Brüder werden." (Vilém Flusser)

Nur ein Rundweg

Gibt es einen Weg zurück, ins Paradies, ins Land, wo Milch und Honig fliessen, die gebratenen Tauben dem Trägen in den Mund fliegen und Faulheit als größte Tugend gilt? Zumindest die Sehnsucht danach ist stark wie eh und je und so erklärt sich vielleicht auch die immer wieder aufflackernde Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen.

Aber möglicherweise ist der Weg ins Paradies ein Rundweg und führt uns immer wieder zurück zum Ausgangspunkt, ins 'Hier und Jetzt'. Es würde ja schon ausreichen, wenn wir im 'Hier und Jetzt' das Leben für alle lebenswert gestalten würden. Das wäre mir lieber, als das Paradies.

Notat #7

Eine Art Köpenickiade?

Ein Oberleutnant der Bundeswehr hat sich als syrischer Flüchtling ausgegeben, hat Asyl beantragt, dieses auch bekommen und erhält insoweit auch Geldzuwendungen wie ein anerkannter Asylant. Dies, obwohl er weder dem Aussehen nach als Syrer durch ginge, noch so viel arabisch spricht, das er damit wenigstens glaubhaft machen könnte, das er aus Syrien kommt. Soweit, so gut. Wäre hier Schluß, würde die Republik sich auf die Schenkel klopfen und herzlich (oder hämisch) lachen. Wobei, wenn man weiter denkt, vergeht einem das Lachen.

Nun steht der Mann aber unter Terrorverdacht, soll auch noch rechtsextreme Ansichten haben, und da ist der Aufschrei natürlich groß. Jetzt werden alle Räder des Apparates in Schwung gebracht, alles soll überprüft werden - die Gesinnung der Bundeswehrangehörigen, die Praxis des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Stellt sich heraus, das der Oberleutnant gar keinen Terrorakt geplant hat und auch kein Rechtsextremist ist, verschwindet das ganze aus den Medien und auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat wieder Ruhe.

Den Geringverdienern in unserem Land ist zu empfehlen, sich als syrischen Flüchtling auszugeben und Asyl zu beantragen, um mit den dann gezahlten Zuwendungen ihr monatliches Budget aufzubessern. Aber sie sollten auf keinen Fall einen Terrorakt planen und auch keinesfalls rechtsextreme Zeichen tragen oder sich rechtsextrem äussern. Mehr Mimikry ist nicht erforderlich.

Notat #6

Immer weiter

Cuba hat es wohl hinter sich, Island steckt mitten drin (oder liegt in den letzten Zügen?) und Vietnam lockt gerade die fotografische Avantgarde an. Die Ziele der hippen Fotoenthusiasten befinden sich im steten Wechsel. Die hippen Fotoenthusiasten wollen diese Länder "auf ganz eigene Weise festhalten", uns "das Land so zeigen, wie wir es noch nicht gesehen haben". Den Ergebnissen nach hätte es gereicht, wenn 1 hipper Fotoenthusiast gereist wäre. Ich bin gespannt, welches Land als nächstes unter dem Ansturm der hippen Fotoenthusiasten erzittert.

Besonders erschütternd: wenn die hippen Fotoenthusiasten an die Bewohner des Landes Sofortbilder verteilen und dies auch noch im Bild festhalten. Das erinnert mich an die Fotos aus der Kolonialzeit, als an "Ureinwohner" Glasperlen etc. verteilt wurden.