HF's Blicke

Photos // Texte

Nur ein Rundweg

Gibt es einen Weg zurück, ins Paradies, ins Land, wo Milch und Honig fliessen, die gebratenen Tauben dem Trägen in den Mund fliegen und Faulheit als größte Tugend gilt? Zumindest die Sehnsucht danach ist stark wie eh und je und so erklärt sich vielleicht auch die immer wieder aufflackernde Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen.

Aber möglicherweise ist der Weg ins Paradies ein Rundweg und führt uns immer wieder zurück zum Ausgangspunkt, ins 'Hier und Jetzt'. Es würde ja schon ausreichen, wenn wir im 'Hier und Jetzt' das Leben für alle lebenswert gestalten würden. Das wäre mir lieber, als das Paradies.

Notat #7

Eine Art Köpenickiade?

Ein Oberleutnant der Bundeswehr hat sich als syrischer Flüchtling ausgegeben, hat Asyl beantragt, dieses auch bekommen und erhält insoweit auch Geldzuwendungen wie ein anerkannter Asylant. Dies, obwohl er weder dem Aussehen nach als Syrer durch ginge, noch so viel arabisch spricht, das er damit wenigstens glaubhaft machen könnte, das er aus Syrien kommt. Soweit, so gut. Wäre hier Schluß, würde die Republik sich auf die Schenkel klopfen und herzlich (oder hämisch) lachen. Wobei, wenn man weiter denkt, vergeht einem das Lachen.

Nun steht der Mann aber unter Terrorverdacht, soll auch noch rechtsextreme Ansichten haben, und da ist der Aufschrei natürlich groß. Jetzt werden alle Räder des Apparates in Schwung gebracht, alles soll überprüft werden - die Gesinnung der Bundeswehrangehörigen, die Praxis des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Stellt sich heraus, das der Oberleutnant gar keinen Terrorakt geplant hat und auch kein Rechtsextremist ist, verschwindet das ganze aus den Medien und auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat wieder Ruhe.

Den Geringverdienern in unserem Land ist zu empfehlen, sich als syrischen Flüchtling auszugeben und Asyl zu beantragen, um mit den dann gezahlten Zuwendungen ihr monatliches Budget aufzubessern. Aber sie sollten auf keinen Fall einen Terrorakt planen und auch keinesfalls rechtsextreme Zeichen tragen oder sich rechtsextrem äussern. Mehr Mimikry ist nicht erforderlich.

Notat #6

Immer weiter

Cuba hat es wohl hinter sich, Island steckt mitten drin (oder liegt in den letzten Zügen?) und Vietnam lockt gerade die fotografische Avantgarde an. Die Ziele der hippen Fotoenthusiasten befinden sich im steten Wechsel. Die hippen Fotoenthusiasten wollen diese Länder "auf ganz eigene Weise festhalten", uns "das Land so zeigen, wie wir es noch nicht gesehen haben". Den Ergebnissen nach hätte es gereicht, wenn 1 hipper Fotoenthusiast gereist wäre. Ich bin gespannt, welches Land als nächstes unter dem Ansturm der hippen Fotoenthusiasten erzittert.

Besonders erschütternd: wenn die hippen Fotoenthusiasten an die Bewohner des Landes Sofortbilder verteilen und dies auch noch im Bild festhalten. Das erinnert mich an die Fotos aus der Kolonialzeit, als an "Ureinwohner" Glasperlen etc. verteilt wurden.

Eine existentielle Unmöglichkeit

"Wenn wir jedoch die Fortschrittsideologie aufgeben und statt dessen eine andere Vorstellung von unserem Lebenslauf unterhalten, dann gewinnt das Wort Er-fahrung eine andere und tiefere Bedeutung. Um dies zu tun, müssen wir einzusehen versuchen, daß wir nicht aus der Gegenwart in die Zukunft laufen. Das ist eine existentielle Unmöglichkeit, denn wo immer wir sind, dort ist die Gegenwart, und wir können nicht aus der Gegenwart hinaus, ohne uns selbst aufgegeben zu haben. Es ist im Gegenteil die Zukunft, die bei uns in unserer Gegenwart ankommt, und eben das meint ja das Wort "Zukunft". Wir sind immer hier und jetzt, und in dieses Hier und Jetzt dringt von allen Seiten die Zukunft." (Vilém Flusser)