Individualismus und Einsamkeit Oder ist Gemeinschaft doch besser?

Großbritannien hat jetzt ein Ministerium für Einsamkeit – besser wäre ein Ministerium gegen Einsamkeit oder noch besser, es würde nicht benötigt. Das Ministerium wird nicht etwa geschaffen, um den einsamen Menschen aus altruistischen Gründen zu helfen, sondern: „Einsamkeit ist so gesundheitsschädigend wie das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag“. Es geht um Gesundheitskosten. Würden die einsamen Menschen nur einsam sein, aber ansonsten problemlos funktionieren, würde sich niemand um sie sorgen. „Lebe dein Leben“, „Du bist Einzigartig“, „sei du selbst“, „schliesse keine Kompromisse“ und unterschwellig „sei einsam“. „Ich parshippe jetzt“ lautet der Slogan der Vereinsamten; die damit keinen Erfolg haben, können sich selbst heiraten. Noch besser wäre eine Persönlichkeitsspaltung, denn dann ist man nie allein.

Ganz Verwegene sollen es mit Gemeinschaft probiert haben, haben Familie, Freunde. Sie nehmen die damit verbundenen Nachteile: Sich auch mal nach anderen richten; die ziellose Reise zur Selbstverwirklichung abbrechen; Kompromisse schliessen … in Kauf. Der Mensch ist ein Herdentier, auch wenn dies nicht gern gehört wird. Daran muss ich immer dann denken, wenn mir mal wieder Herden von Individualisten begegnen.

Ergänzung am 28.01.2018:

Kehren die Stämme tatsächlich wieder?
Die Globalisten irren: Nicht das Stammesdenken, sondern die Vereinsamung fördert den neuen Autoritarismus. Ein paar Anmerkungen zu einem neuerdings geführten Diskurs.

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Reader Comments

  1. Markus

    Ich kenn‘ da einen, der behauptet glatt, im richtigen Leben „nicht so bitter ironisch“ zu sein 😉
    Und ich gebe Dir recht, in allen Punkten.

  2. Werner

    Man schafft ein Ministerium um die „Effizienz“ zu steigern, denn Menschen müssen funktionieren. Unfassbar eigentlich…
    Ich habe nun gerade die Erfahrung mit der Einsamkeit gemacht und weiß, dass sie mir nicht gut tut. „Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude“….. da ist was dran!

    Liebe Grüße,
    Werner

    • HF

      Hallo Werner,
      Sprichwörter geben Lebensweisheit wieder; hilfreich, sie immer mal wieder zu lesen, auch bevor „das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Einsamkeit ist ganz sicher nicht gut, aber ein Ministerium für Einsamkeit kann da wohl kaum helfen.
      Meine Anmerkungen sollen in kurzer und knapper Form zeigen, wie ‚verrückt‘ es mittlerweile zugeht (es geht mir um gesellschaftspolitisch verursachte Einsamkeit und nicht um Einsamkeit durch individuelle Schicksale). Über Jahre wird zugeschaut (manchmal sogar veranlasst), wie etwas falsch läuft, um dann, wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist“, in Aktionismus auszubrechen. So ähnlich sieht es auch bei der Berufung eines sog. Antisemitismusbeauftragten aus. Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass dieser Beauftragte Antisemitismus verhindert oder vermindert? Es geht dabei lediglich darum, den Eindruck zu erwecken, es wird etwas unternommen; damit ist die Sache erledigt, meint der Politiker. So ist es auch mit dem „Ministerium für Einsamkeit“.
      Trotz allem ein guten Tag und liebe Grüße,
      HF

      • Werner

        Ja, mir war schon klar, auf was sich dein Beitrag bezieht.
        Für mich sind bestimmte gesellschaftspolitische Entwicklungen oft nur noch mit einer gewissen Verblödung eben jener Gesellschaft zu erklären. Politik(er) fehlt es an langfristigen Visionen und Intellekt, sie gesellschaftspolitisch relevant zu machen und zu erklären. So entsteht ein Kreislauf aus fortlaufender Verdummung und Erklärungsnotständen (siehe dem neuen Amt des Antisemitismusbeauftragten).

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