Damals, in den 60igern gab es ihn noch Oder heißt er heute nur anders?

In älteren Romanen kommt er vor, in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war häufig die Rede vom „bescheidenen Wohlstand“. Schon damals war mir diese Kombination suspekt. Wann hatte man den Zustand „bescheidenen Wohlstands“ erreicht? Für mich klang das immer wie „nicht mehr ganz so arm“. Richtig gut ging es denen, die in „bescheidenen Wohlstand“ lebten anscheinend nicht. Es war wohl eher eine Beruhigungspille. Soweit ich mich erinnere, sprach nie jemand von „unbescheidenen Wohlstand“. Diese Kombination ist natürlich genauso erklärungsbedürftig, wie der „bescheidene Wohlstand“.

Von „bescheidenen Wohlstand“ lese ich heute eigentlich nur noch, wenn es um sog. Schwellenländer geht. Dort wird immer mal wieder davon gesprochen, das immer mehr Menschen einen „bescheidenen Wohlstand“ erreichen. In Deutschland scheinen wir dieses ökonomische Stadium bereits verlassen zu haben, denn ich habe sehr lange nicht gehört oder gelesen, das jemand in „bescheidenen Wohlstand“ lebt oder immer mehr Menschen dieses Stadium erreichen. Leben wir inzwischen im „unbescheidenen Wohlstand“ oder unterhalb des „bescheidenen Wohlstands“ oder ist vielleicht das Wort „bescheiden“ nicht mehr erwünscht? Oder ist „Wohlstand“ inzwischen ganz aus der Mode gekommen („aus der Mode gekommen“ ist ja auch „out“ oder sagt man besser „uncool“?)?
Niemand spricht von Wohlstand, aber Alle wollen sich Alles leisten können. Liest sich auch besser, passt besser zu „sich selbst verwirklichen“ als „ich lebe in Wohlstand“.

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Reader Comments

    • HF

      So sehe ich das auch, Werner. Danke auch für den Artikel-Link. Sehr interessant mit sehr guten Ansätzen! Sollte man überall da anbringen, wo dem Konsumbedürfnis gehuldigt wird? Oder hätte das sowenig Wirkung, wie die Krankheitsbilder auf den Zigarettenpackungen? Aber bleiben wir mal optimistisch – in diesem Sinne viele Grüße, HF

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